Brennende Öltanks, vergiftetes Land – die stille Katastrophe im Iran
Artikelbeitrag von Susanne Eigner – Telepolis vom 20.3.2026
Auszüge:
Nach den Angriffen auf Öldepots vergiften Schadstoffe Lebensgrundlage von Millionen von Menschen. Die Region am Golf steht vor beispielloser Umweltkatastrophe.
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Schwarzer Regen vergiftet Infrastruktur, Landwirtschaft und Grundwasser
Das im Qualm enthaltene Benzol und Schwefeldioxid geht weit über die internationalen Sicherheitsgrenzwerte hinaus, schätzen Experten. Schwefeldioxid und Stickstoffdioxid bilden die Vorstufen von Schwefelsäure und Salpetersäure in der Luft.
Diese Säuren lösen sich in Wassertröpfchen. Durch die Verbindung von Rauchgasen mit Luftfeuchtigkeit entsteht so genannter „saurer Regen“. Dabei hatte die Stadt bereits vor diesem Krieg mit extremem Smog zu kämpfen. Mit den neuen Angriffen verschärft sich die humanitäre Notlage dramatisch.
Bei diesem schwarzen Regen könnte sich um viel schlimmeres als „nur“ sauren Regen handeln, erklärt der Chemieingenieur Gabriel da Silva von Universität Melbourne in seinem Artikel vom 9. März in The Conservation.
So kann dieser Regen giftige Kohlenwasserstoffe, Feinstaub und krebserregende Verbindungen wie polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) enthalten, aber auch Schwermetalle und anorganische Verbindungen von Baumaterialien und Trümmern, die bei Explosionen und Bränden zerstört wurden.
Brennende Treibstofftanks lösen chemische Kettenreaktionen aus
Über Regen werden normalerweise Luftschadstoffe aus der Atmosphäre entfernt. Bei hoher Schadstoffkonzentration jedoch nehmen fallende Regentropfen diese Substanzen auf und transportieren sie aus der Atmosphäre nach unten.
Durch den schwarzen Regen lagern sich giftige Verbindungen auf Gebäuden, Straßen und Oberflächen ab, die später von starken Winden wieder in die Luft geweht werden können. Nach den Angriffen war das Regenwasser an Gebäuden und auf Fahrzeugen mit Öl behaftet.
Die kontaminierten Areale zu reinigen könnte Jahrzehnte dauern, schätzen Umweltexperten, falls eine Sanierung unter den aktuellen politischen Bedingungen überhaupt möglich ist. Das austretende Öl versickert im Boden und verseucht unter Umständen das Grundwasser.
Die Gifte schädigen nicht nur die Landwirtschaft, sondern auch die Ökosysteme des Alborz-Gebirges. Nahrungsgrundlagen und natürliche Wasserquellen werden vergiftet. Dem entsprechend knapp werden Lebensmittel und Trinkwasser. […]
Militärische Angriffe auf Städte und Ökosysteme stoppen!
In diesem grausamen Krieg werden – wie in vielen Kriegen davor – tausende Menschen getötet, tausende in die Flucht getrieben.
Als wäre das nicht schlimm genug, wird der Klimawandel immer weiter befeuert.
In Zeiten, in denen die „regelbasierte Weltordnung“ auseinanderfällt, braucht es umso dringender eine internationale Übereinkunft zum Schutz der Umwelt in Konfliktgebieten. Wird nicht bald gegengesteuert, nimmt der Klimawandel rasant Fahrt auf und lässt die Menschheit in eine unkontrollierbare Abwärtsspirale stürzen.
