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PFAS im Krieg gegen den Iran

26.03.202628.03.2026
Während schwarzer Rauch den Himmel füllt und die Schlagzeilen sich auf die Ölpreise konzentrieren, spielt sich im Nahen Osten eine chemische Katastrophe ab. Derselbe Krieg, der die globalen Energie- und Lebensmittelmärkte destabilisiert, überzieht Landschaften, Entwässerungssysteme, industrielle Abwasserströme und Küstengewässer mit tödlichen und persistenten fluorierten Verbindungen. Die Öffentlichkeit hört von Flammen und Luftangriffen. Sie hört nichts von den hochkrebserregenden Schaummitteln, die zu deren Löschung versprüht werden.

Die nachfolgende Analyse behandelt die Kontamination, die sich aus dem weit verbreiteten Einsatz von wasserfilmbildendem Schaum (Aqueous Film Forming Foam – AFFF) im gesamten Kriegsgebiet ergeben. 

Deutsche Fassung des Originalbeitrages von Pat Elder  – KP

Inhalt

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  • Teil 1
    • Kontaminationen durch Löschschäume
    • Einschätzung des Ausmaßes
    • Von der Brandbekämpfung zur Umweltverschmutzung
    • Lehren aus Brunswick, Maine
  • Teil 2
    • Japan ist am stärksten betroffen
    • ‍Der Umstieg auf Klärschlamm
    • Abwasserbehandlungssysteme
    • Ernährungssicherheit

Teil 1

Kontaminationen durch Löschschäume

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/South-Pars-Gasfeld

Am 18. März 2026 griffen israelische Kampfflugzeuge das iranische South-Pars-Gasfeld an und lösten damit Brände in einem der wichtigsten Energiekomplexe der Erde aus. Der Angriff richtete sich gegen die Infrastruktur im Herzen des globalen Erdgassystems und ließ Flammen durch Anlagen lodern, die einen erheblichen Teil der weltweiten Düngemittelproduktion sichern.

Der Angriff auf South Pars betrifft nicht nur die Energieversorgung, sondern auch die Nahrungsmittelversorgung global. Die moderne Landwirtschaft ist grundlegend von Erdgas abhängig, das zur Herstellung von Ammoniak- und Harnstoffdüngern verwendet wird. Die Region am Persischen Golf liefert einen erheblichen Anteil der weltweiten Stickstoffdünger, sodass Störungen dieses Systems sich unmittelbar auf die globalen Märkte, die landwirtschaftliche Produktion und letztlich die Nahrungsmittelversorgung auswirken.

Länder, die am stärksten von Düngemittelschocks betroffen sind – insbesondere Japan, Südkorea, Taiwan und importabhängige Nationen in Südost- und Südasien – greifen zunehmend auf Klärschlamm als alternative Nährstoffquelle zurück, eine Entwicklung, die das Risiko birgt, industrielle PFAS-Kontaminationen aus städtischen Abfallströmen direkt auf landwirtschaftliche Böden zu übertragen. Wir werden diese Entwicklung in Teil 2 untersuchen.

Brände auf Gasfeldern, in Raffinerien, Tanklagern und Exportterminals werden nicht mit Wasser bekämpft. Kohlenwasserstoffbrände erfordern Schaum. In Erdöl- und Gasanlagen basieren Brandbekämpfungssysteme seit langem auf wässrigem filmbildendem Schaum (AFFF), einem Löschmittel, das sich auf Brennstoffoberflächen ausbreitet, brennbare Dämpfe unterdrückt und eine Rückzündung verhindert. Der Schaum erstickt die Brände. Seine Wirkstoffe bestehen aus krebserregenden PFAS-Verbindungen.

Seit Jahrzehnten ist AFFF der weltweite Standard für die Bekämpfung von Bränden mit flüssigen Brennstoffen beim Militär, auf Flughäfen und im gesamten Öl- und Gassektor. Die meisten Raffinerien und LNG-Anlagen am Golf wurden lange vor dem jüngsten Vorstoß hin zu fluorfreien Alternativen gebaut. Ihre Systeme wurden auf fluorierten Schaumstoffen basierend konzipiert.

Selbst dort, wo fluorfreie Schäume allmählich auf den Markt kommen, verläuft der Übergang lückenhaft, insbesondere in risikoreichen Erdölumgebungen, in denen die Betreiber weiterhin zögern, alte Systeme aufzugeben. Oft herrscht bei der Bekämpfung von Erdölbränden eine Mentalität vor, bei der die Umwelt keine Rolle spielt.

Im Iran ist es wahrscheinlich, dass ältere, tödlichere AFFF-Bestände weiterhin im Einsatz sind. Sanktionen haben die Iraner in vielerlei Hinsicht hart getroffen und den Zugang zu neueren Technologien und Ersatzausrüstung eingeschränkt.

AFFF ist ein Trägersystem für PFAS, die mit Krebs, Immunschwäche, Störungen des Hormonsystems und Entwicklungsstörungen in Verbindung gebracht werden. Die Verbindungen gelangen mit dem Löschwasserabfluss in den Boden, dringen in die Kanalisation ein, verunreinigen das Oberflächenwasser und gelangen in die Abwasserströme. In einem Krieg, der von wiederholten Bränden in Erdöl- und Erdgasanlagen geprägt ist, wird die PFAS-Kontamination zu einem prägenden Vermächtnis des Konflikts werden.

Einschätzung des Ausmaßes

Die genauen Mengen an Schaum, die im aktuellen Krieg eingesetzt werden, werden nicht öffentlich bekannt gegeben, doch Branchenstandards lassen das wahrscheinliche Ausmaß erkennen. Große Kohlenwasserstoffbrände in Raffinerien und Tanklagern können einen stunden- oder sogar tagelangen, kontinuierlichen Schaumeinsatz auf großen Flächen erfordern. Ein einziger großer Damm- oder Tankbrand kann Tausende von Gallonen Schaumkonzentrat verbrauchen.

 

Das Bild zeigt ein Schaumsystem, das zum Deichschutz in Öl- und Gasanlagen eingesetzt wird. Zwar lässt sich der hier gezeigte Schaumtyp optisch nicht bestimmen, doch wurden solche Systeme in der Golfregion in der Vergangenheit in der Regel auf der Grundlage von PFAS-haltigen Schäumen konzipiert. (Quelle: Gulf Fire)

Bei mehreren gleichzeitig auftretenden Bränden, von denen Lagertanks, Pipelines, Raffinerien und Gasaufbereitungsanlagen betroffen sind, kann der Gesamtverbrauch auf mehrere hunderttausend Gallonen Konzentrat ansteigen, wodurch Millionen Gallonen fertiger Schaumlösung entstehen. (1 US-Gallone: ca. 3,8 Liter)

Ein Großbrand in einem Kraftstofflagertank kann zur Löschung Tausende Liter 3-prozentiges AFFF-Konzentrat und Hunderttausende Liter fertige Schaumlösung erfordern. Das Konzentrat wird in der Regel im Verhältnis 3 % Schaumkonzentrat zu 97 % Wasser gemischt und anschließend belüftet, um den Löschschaum zu erzeugen.

AFFF-Schäume erfordern einen Durchfluss von etwa 1 Gallone Flüssigkonzentrat pro Minute pro 10 Quadratfuß brennender Oberfläche bei einem Kohlenwasserstoff-Kraftstoff.

Ein großer Lagertank im South-Pars-Gaskomplex kann einen Durchmesser von 78 Metern haben. Das entspricht 4.778 m².
Für diesen Tank wären 5.143 Gallonen flüssiges Schaumkonzentrat pro Minute erforderlich. Es kann 10 bis 30 Minuten dauern, bis die Flammen in einem einzelnen Tank gelöscht sind.
Beispiel: AFFF-Anforderungen für einen einzelnen Tankbrand mit 78 Metern Durchmesser (3-prozentige Lösung)

Anwendungszeit  Gal. Konz.      Gal. Schaum

10 Minuten             1.543                    51.430
20 Minuten             3.086                   102.860
30 Minuten             4.629                   154.290

Israelische Angriffe auf das iranische South-Pars-Gasfeld und den Verarbeitungsknotenpunkt Asaluyeh am 18. März lösten eine Welle von Vergeltungsschlägen im gesamten Golfgebiet aus, von denen Raffinerien, Gasanlagen und Exportterminals in Saudi-Arabien, Kuwait, Katar, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain betroffen waren. (Meldung Reuters vom 20. März 2026).
Es folgt eine Liste von Orten, an denen Raketen und Drohnen Brände ausgelöst haben, die wahrscheinlich mit AFFF gelöscht wurden:

  • South Pars gas field, Iran

  • Asaluyeh, Iran

  • Shahran fuel tanks, Tehran, Iran

  • Ras Laffan Industrial City / LNG facilities, Qatar

  • Pearl gas-to-liquids plant, Ras Laffan, Qatar.

  • Mina al-Ahmadi refinery, Kuwait

  • Mina Abdullah refinery, Kuwait

  • Ras Tanura refinery / export complex, Saudi Arabia

  • SAMREF Refinery, Yanbu, Saudi Arabia

  • Ruwais refinery complex, UAE

  • Fujairah oil industry zone / export terminal , UAE

  • Bapco Sitra refinery / oil refinery complex, Bahrain

  • Haifa  Oil Refinery, Israel

  • Lanaz refinery, Erbil

  • Two fuel tankers in Iraqi waters near Basra

  • Oil tanker off Oman’s Musandam peninsula

  • Habshan gas processing complex, UAE

  • Bab oil field, UAE

  • Ashdod refinery, Israel

Bei großflächigen, gleichzeitigen Angriffen, wie sie sich derzeit auf unseren Fernsehbildschirmen abspielen, kann der Gesamtverbrauch an AFFF-Löschmittel Millionen Liter erreichen, wodurch giftige Substanzen im gesamten Nahen Osten in den Boden gelangen.

Von der Brandbekämpfung zur Umweltverschmutzung

Wenn bei einem einzigen Vorfall Tausende Liter Löschmittel eingesetzt werden, führt dies dazu, dass erhebliche Mengen langlebiger fluorierter Chemikalien in die Umwelt gelangen. An Küstenstandorten, wie sie für viele der derzeit im Persischen Golf brennenden Anlagen charakteristisch sind, gelangen diese Abflüsse oft schnell in die Meeresumwelt. Der Golf ist ein halbgeschlossener Wasserkörper mit begrenzter Zirkulation, was ihn besonders anfällig für die Anreicherung langlebiger Schadstoffe macht.‍ ‍

In den Golfstaaten, wo ein erheblicher Teil der Lebensmittel importiert wird, erfolgt die unmittelbarste Exposition nicht über die lokale Landwirtschaft, sondern über die Meeresumwelt selbst. Die Fischerei im Persischen Golf sowie in den Gewässern des Arabischen Meeres, des Roten Meeres und des östlichen Mittelmeers ist anfällig für Kontamination, da PFAS durch die Nahrungsnetze wandern.‍ ‍

Im Gegensatz zu Kohlenwasserstoffen, die mit der Zeit verbrennen oder abgebaut werden, zersetzen sich PFAS unter Umweltbedingungen nicht. Sie binden sich an Sedimente und reichern sich in lebenden Organismen an, anstatt im offenen Wasser gelöst zu bleiben. Anstatt sich harmlos zu verteilen, werden sie von Böden, Sedimenten und biologischem Gewebe aufgenommen, wo sie bestehen bleiben und sich im Laufe der Zeit anreichern.‍ ‍

Das Ergebnis ist ein Umdenken darüber, wie die Umweltauswirkungen von Krieg verstanden werden sollten. Ölbrände werden seit langem mit Luftverschmutzung und sichtbaren ökologischen Schäden in Verbindung gebracht. Der weitverbreitete Einsatz von AFFF bringt eine versteckte, langlebigere Gefahr mit sich, die sich nicht auflöst, wenn die Flammen gelöscht sind. ‍ ‍

Die Kontamination ist zudem weitgehend ungemessen. Es gibt keine koordinierten Überwachungsprogramme, die PFAS-Freisetzungen während der Brandbekämpfung im Krieg verfolgen, keine öffentliche Erfassung der verwendeten Mengen und keinen Rahmen für die Sanierung nach dem Konflikt. Was sich in der Region ausbreitet, ist in Echtzeit praktisch unsichtbar, obwohl es chemische Spuren hinterlässt, die möglicherweise Jahrhunderte oder länger bestehen bleiben.‍ ‍

Es gibt keine fundierte, systematische Studienreihe zu PFAS in Meeresfischen aus dem Arabischen Meer oder dem Persischen Golf. Eine Vielzahl globaler Studien zeigt, dass sich PFAS leicht in Meeresfrüchten anreichern und sowohl durch Meeresströmungen als auch durch wandernde Arten über Regionen hinweg transportiert werden können.‍‍‍‍ ‍

Lehren aus Brunswick, Maine

‍Am 19. August 2024 gelangten durch eine Fehlfunktion der Feuerlöschanlage auf dem Gelände der ehemaligen Brunswick Naval Air Station etwa 1.450 Gallonen AFFF-Konzentrat, vermischt mit 50.000 Gallonen Wasser, in die Umwelt – einer der größten versehentlichen PFAS-Schaumunfälle der Geschichte.

‍1.450 Gallonen sind im Vergleich zu den Millionen, die im Krieg freigesetzt werden, zwar gering, doch sie vergifteten die Region für immer. Der Staat analysierte die Zusammensetzung des Schaumkonzentrats und veröffentlichte die schockierenden Ergebnisse, die unten aufgeführt sind. Die PFOS-Werte, die in das Gras gelangten, lagen bei über 3,78 Milliarden Teilen pro Billion. PFOS ist im Boden und im Grundwasser hochmobil.

Die US-Umweltschutzbehörde EPA hatte sich verpflichtet, den PFOS- und PFOA-Gehalt im Trinkwasser unter 4 Teilen pro Billion zu halten, doch die tatsächliche Durchsetzung wurde von der Trump-Regierung auf 2031 verschoben.

Alpha Analytical – 23.08.2024. PFOA-Konzentrationen von weniger als 1 Teil pro Billion im Trinkwasser stehen im Zusammenhang mit Bauchspeicheldrüsenkrebs. In Brunswick wurden in Flüssigkeiten, die in den Boden gesickert waren, PFOA-Konzentrationen von 69.000.000 Teilen pro Billion gemessen.

In dem Brandherd, den der Persische Golf darstellt, verbinden sich die unterschiedlichen PFAS-Verbindungen in AFFF nicht zu einer einzigen neuen Chemikalie. Stattdessen werden sie als komplexes Gemisch freigesetzt: Einige bleiben in ihrer ursprünglichen Form bestehen, andere wandeln sich allmählich in Endprodukte wie PFOS und PFOA um, und alle verteilen sich unterschiedlich auf Meerwasser, Sedimente, Abwasser und lebende Organismen. Das Ergebnis ist nicht ein einziger Schadstoff, sondern eine sich wandelnde, fortwährende fluorierte Belastung, die sich mit der Zeit verstärken kann, wenn Vorläuferverbindungen zu stabileren Endprodukten abgebaut werden.

Teil 2

Am 18. März 2026 griffen israelische Kampfflugzeuge das iranische South-Pars-Gasfeld an und lösten damit Brände in einem der wichtigsten Energiekomplexe der Erde aus. Der Angriff richtete sich gegen die Infrastruktur im Herzen des globalen Erdgassystems und ließ Flammen durch Anlagen lodern, die einen erheblichen Teil der weltweiten Düngemittelproduktion sichern.

Der Angriff auf South Pars und die Sperrung der Straße von Hormus betrifft nicht nur die Energie- oder auch die weltweite Nahrungsmittelversorgung. Die moderne Landwirtschaft ist grundlegend von Erdgas abhängig, das zur Herstellung von Ammoniak- und Harnstoffdüngern verwendet wird. Die Region am Persischen Golf liefert einen erheblichen Anteil der weltweiten Stickstoffdünger, sodass Störungen dieses Systems sofort Auswirkungen auf die globalen Märkte, die landwirtschaftliche Produktion und letztlich die Nahrungsmittelversorgung haben. Als Reaktion darauf greifen die am stärksten betroffenen Nationen, wie Japan, auf die Ausbringung von PFAS-belastetem Klärschlamm auf landwirtschaftlichen Flächen zurück.

Präsident Trump versuchte, die Vereinigten Staaten von dem Bombenangriff zu distanzieren, und erklärte: „Die Vereinigten Staaten wussten nichts von diesem speziellen Angriff.“ Er schrieb die Verantwortung Israel zu und sagte, es habe „gewaltsam gegen das South-Pars-Gasfeld vorgegangen“.

Japan ist am stärksten betroffen

Die massiven Beeinträchtigungen des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus haben den Fluss von Harnstoff, Ammoniak und anderen Düngemitteln nach Japan eingeschränkt, einem Land, das fast vollständig von importierten, auf Erdgas basierenden Düngemitteln abhängig ist. Da etwa ein Drittel der weltweit gehandelten Düngemittel und ein erheblicher Anteil des zu ihrer Herstellung verwendeten Erdgases diesen engen Korridor durchquert, hat sich der Konflikt im Persischen Golf unmittelbar in Versorgungsengpässen für die nachgelagerten Agrarwirtschaften niedergeschlagen. Reuters, 17. März 2026‍ ‍

Das Wort „Harnstoff“ stammt vom griechischen Wort „ouron“ ab, was „Urin“ bedeutet. Wissenschaftler übernahmen später den latinisierten Begriff „Urea“, um die erstmals im Urin identifizierte Verbindung zu benennen.

‍Ohne Erdgas können wir nicht ohne Weiteres Ammoniak herstellen, und ohne Ammoniak können wir kein Harnstoff herstellen. Ohne Harnstoff hat die moderne Landwirtschaft Schwierigkeiten, genügend Nahrungsmittel zu produzieren. Deshalb können Ereignisse, die das Erdgas betreffen – wie ein Streik auf dem South-Pars-Gasfeld – Auswirkungen haben, die sich von den Energiemärkten bis hin zu den Preisen und der Verfügbarkeit von Lebensmitteln in Japan erstrecken.

‍Der Umstieg auf Klärschlamm

‍Länder, die am stärksten von Düngemittelschocks betroffen sind – insbesondere Japan, Südkorea, Taiwan und importabhängige Nationen in Südost- und Südasien – greifen zunehmend auf Klärschlamm als alternative Nährstoffquelle zurück. Dieser Umstieg birgt das Risiko, dass industrielle PFAS-Verunreinigungen aus städtischen Abfallströmen direkt in landwirtschaftliche Böden gelangen. Das ist schrecklich!

Die Landwirtschaftliche Universität Tokio berichtete bereits 1997, dass die Verwendung von Klärschlamm in Japan allmählich zunahm. In den 1990er- und 2000er-Jahren förderten verschiedene politische Änderungen die Ausbringung von Klärschlamm auf landwirtschaftlichen Flächen.

‍ Dieser Trend gewann an Dringlichkeit, als Japan mit dem Russland-Ukraine-Krieg 2022 konfrontiert war, der die weltweiten Düngemittelpreise in die Höhe trieb und das Interesse an Klärschlamm verstärkte. Die aktuelle Golfkrise versetzt dem Ganzen einen zweiten Schlag. Für Japan ist dies eine ernsthafte Bedrohung für das Stickstoffdüngersystem, von dem seine Landwirtschaft abhängt.

‍ Während Japan ein hochtechnisiertes System aufgebaut hat, um Klärschlamm zu einem regulierten Agrarrohstoff zu verarbeiten, fehlt vielen Ländern, darunter Bangladesch, Indonesien und den Philippinen, die Infrastruktur, um diese Materialien in großem Maßstab aufzubereiten und zu standardisieren.

‍ In Japans Abwasseraufbereitungssystemen fallen jedes Jahr Millionen Tonnen Klärschlamm an, der verwertbaren Stickstoff und Phosphor enthält. Unter normalen Bedingungen wird nur ein kleiner Teil auf landwirtschaftlichen Flächen ausgebracht. Der Rest wird verbrannt.

‍Japan ist stark auf die Klärschlammverbrennung angewiesen, doch typische Klärschlammverbrennungsanlagen arbeiten oft bei Temperaturen von etwa 800 bis 900 Grad Celsius. PFAS-Verbindungen erfordern für eine zuverlässige Zerstörung in der Regel deutlich höhere Temperaturen, oft über 1.000 bis 1.200 Grad Celsius. Bei niedrigeren Temperaturen können sie bestehen bleiben, sich umwandeln oder in Asche und Emissionen verteilt werden.

Im Laufe der Zeit gelangen diese persistenten Chemikalien in die Nahrungskette – sie reichern sich in Nutzpflanzen, Nutztieren und Meeresfrüchten an – und belasten schließlich die Bevölkerung über Trinkwasser und Ernährung, was das Risiko für Krebs, Immunschwäche und andere chronische Gesundheitsschäden erhöht.

In Präfekturen in ganz Japan gibt es bereits entsprechende Programme. Da die Harnstoffpreise wieder steigen, dürften ähnliche Programme ausgeweitet werden.

Wenn Krieg die Energieinfrastruktur und die Schifffahrt im Golf bedroht, reagieren die Düngemittelmärkte sofort. Der Schaden beschränkt sich nicht auf das, was physisch zerstört wird. Die Japaner scheinen sich darüber jedoch keine Sorgen zu machen.

Als die japanische Premierministerin Sanae Takaichi am 19. März 2026, einen Tag nach dem Angriff auf South Pars, Präsident Trump im Weißen Haus in Washington, D.C. traf, sprach sie sich für den Krieg gegen den Iran aus und lobte den amerikanischen Präsidenten. „Ich bin fest davon überzeugt, dass nur du, Donald, weltweit Frieden schaffen kannst. Um dies zu erreichen, bin ich bereit, auf viele Partner in der internationalen Gemeinschaft zuzugehen, damit wir unser Ziel gemeinsam erreichen.“

Am 5.12.25, vor dem Ansturm der routinemäßigen Kriegsdrohungen, lagen die Harnstoffpreise bei 352 Dollar pro Tonne. Es wird angenommen, dass die eskalierenden Äußerungen von Präsident Trump den Preis für Harnstoff auf 467 Dollar getrieben haben, an dem Tag, an dem Premierministerin Takaichi sich mit Präsident Trump traf. Drei Tage später überschritt er die Marke von 600 Dollar pro Tonne, während er derzeit bei etwa 683 Dollar gehandelt wird. Dies betrifft Japan vielleicht mehr als jedes andere Land. Japan importiert 80–90 % seines Düngers, während die USA weniger als 25 % ihres Düngers importieren.

Rohstoffmärkte reagieren routinemäßig nicht nur auf Ereignisse, sondern auch auf Erwartungen künftiger Störungen. In diesem Zusammenhang wirft der rasche und vorhersehbare Anstieg der Harnstoffpreise nach eskalierender Rhetorik und militärischen Maßnahmen die Frage auf, ob einige Marktteilnehmer aus dem Umfeld der Trump-Regierung bereits im Voraus so positioniert waren, dass sie davon profitieren konnten.

Abwasserbehandlungssysteme

Abwasseraufbereitungssysteme sind nicht dafür ausgelegt, viele persistente Chemikalien zu entfernen. Stattdessen gelangen Verbindungen wie PFAS in den Schlamm. Dies ist besonders besorgniserregend in Japan, wo die Abwasserströme nicht nur Haushaltsabwässer umfassen, sondern auch Abwässer aus Hightech-Fertigungssektoren, darunter die Halbleiter- und Elektronikproduktion – Branchen, von denen bekannt ist, dass sie in verschiedenen Prozessen große Mengen an PFAS verwenden.

Eine 2026 im Journal of Hazardous Materials veröffentlichte Studie ergab, dass die PFAS-Konzentrationen in aus Schlamm gewonnenen Düngemitteln in Japan 78.000 Nanogramm pro Kilogramm (78.000 ppt) Trockengewicht erreichten. Stellen Sie sich das wie eine riesige Kaffeemaschine vor. Das giftige Gebräu fließt ins Grundwasser und in Flüsse und vergiftet die Nahrungskette.

Moderne Systeme in den Bereichen Energie, Landwirtschaft, Abfall und Kontamination verschmelzen in dieser schönen neuen Welt miteinander. Ein Gasfeld brennt im Persischen Golf. Schaum löscht Industriebrände. Die Düngemittelpreise steigen sprunghaft an. Klärschlamm wird auf Ackerland ausgebracht. PFAS gelangt in den Boden und in die Lebensmittel. Es verschwindet nie.

Ernährungssicherheit

Hohe Harnstoffpreise und Versorgungsengpässe üben Aufwärtsdruck auf die Kosten der heimischen Lebensmittelproduktion aus und tragen zu allgemeinen Inflationssorgen bei. Die langfristige Sorge für Japan besteht darin, dass selbst wenn der Konflikt schnell abklingt, die Reparatur der Schäden an den hochtechnologischen Verflüssigungsanlagen in South Pars und Ras Laffan Jahre dauern könnte, was zu einer anhaltenden Phase hoher Düngemittelkosten führen würde.

Was sich daher in Japan abzeichnet, ist nicht einfach eine Verlagerung der Düngemittelbeschaffung. Es ist ein Zusammenspiel aus geopolitischen Störungen, wirtschaftlicher Notwendigkeit und ökologischen Folgen.

In diesem Sinne wirkt sich die durch den Konflikt am Persischen Golf ausgelöste Düngemittelkrise auf zwei Ebenen aus. Oberflächlich betrachtet handelt es sich um eine Geschichte von Lieferketten, Preisen und Ernährungssicherheit. Unter der Oberfläche beschleunigt sie jedoch einen strukturellen Wandel bei den landwirtschaftlichen Betriebsmitteln – einen Wandel, der die Abhängigkeit von volatilen globalen Märkten verringern, gleichzeitig aber die Verbreitung persistenter industrieller Schadstoffe in der Landschaft verstärken könnte.

Durch die Umstellung von importiertem Dünger auf im Inland verfügbaren Klärschlamm stabilisiert Japan möglicherweise kurzfristig seine Nährstoffversorgung. Doch damit könnte das Land auch eine zweite, langsamer fortschreitende Krise in seine Böden und Ernährungssysteme einbetten – eine Krise, die sich nicht in Preisspitzen misst, sondern in Nanogramm pro Kilogramm, die sich im Laufe der Zeit still und leise ansammeln.

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Schlagworte: #Krieg gegen den Iran#Umweltkrieg
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