Weltmacht-Wasser: Die Ressource unserer Zeit?
Wasser war nie ohne Belang – doch im 21. Jahrhundert könnte es zur geopolitischen Waffe einer umkämpften Zeit werden. Was bisher beobachtet werden kann.
von Luca Schäfer – Telepolis (5.9.2026)
Quelle: https://www.telepolis.de/article/Weltmacht-Wasser-Die-Ressource-unserer-Zeit-11438099.html
Auszug mit zwei Abschnitten:
Nadelstich im Wasserschlauch
Spätestens mit dem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen Iran wurde Wasser Teil einer destruktiven Kriegsinfrastruktur. Die Initiative ging dabei nicht direkt von Washington aus, sondern war Teil einer reziproken iranischen Nadelstrichstrategie: die schiitische Theokratie drohte ab März 2026, im Fall von Angriffen auf seine Energieinfrastruktur auch die Wasser- und Entsalzungsanlagen der Golfstaaten anzugreifen – ein Versuch, den Preis derart hoch zu treiben, dass Washington davon absehe.
Getroffen hätte das vor allem US-Verbündete und Vasallen: In Bahrain und Katar, wo mit Al-Udeid und dem Zentralkommando der 5. US-Flotte strategisch bedeutsame Basen liegen, stammt praktisch das gesamte Trinkwasser aus Entsalzung. In den Emiraten, Standort der Air Base Al Dhafra und des Jebel-Ali-Hafens, sind es über 80 Prozent, in Saudi-Arabien etwa die Hälfte.
Geopolitischer Hebel der Zukunft
Wasser wird zunehmend zum geopolitischen Hebel, dessen Bedeutung weit über die Frage hinausgeht, wer genug zu trinken hat. Entscheidend ist, wer über Wasserströme bestimmt: wer aufstaut, umleitet, zurückhält oder freigibt.
Ein Staudamm am Oberlauf ist damit nicht mehr nur Energie- oder Entwicklungsprojekt, sondern Machtinstrument. Ähnliche Konstellationen wie am Nil entstehen nach einer Al-Jazeera-Analyse auch an Tigris und Euphrat, am Indus und in den großen Flusssystemen Asiens.
Das macht Wasser zu einer besonderen Ressource in einer multipolar- und umwelttechnisch hitzig umkämpfen neuen Epoche: Öl, der goldene Rohstoff des 20. Jahrhundert lässt sich substituieren und über die Weltmeere transportieren, Wasser hingegen nicht.
Wer den Zugang kontrolliert, kontrolliert damit nicht nur einen Rohstoff, sondern eine Voraussetzung für Landwirtschaft, Energie und gesellschaftliche Stabilität, für volkswirtschaftlichen Wohlstand und politische Zufriedenheit.
Nicht der große Wasserkrieg dürfte die Zukunft prägen – im entstehenden Großmachtkampf zwischen China und den USA spielt Wasser eine vergleichsweise untergeordnete Rolle, sondern neue Konfliktlinien, in denen Staaten Wasser zunehmend als Druckmittel einsetzen – über Staudämme, Verträge und die Kontrolle grenzüberschreitender Flüsse.
Der Kampf um Wasser wird dann weniger darum geführt, wem es gehört, als darum, wer bestimmt, wann es fließt.
Die Wasserversorgung hing damit am Krieg und wurde zu einem vergleichbar, einzukalkulierenden Faktor wie die iranischen Stiche gegen katarische LNG-Anlagen oder jemenitische Angriffe auf die saudische Petroindustrie.
