Dossier: Munitionsdepot im Köppener Wald
Das Munitionsdepot Köppern ist mit 254 Hektar das zweitgrößte Munitionsdepot der Bundeswehr und liegt im Wald zwischen Wehrheim (Hochtaunuskreis) und Rosbach vor der Höhe (Wetteraukreis) überwiegend auf Wehrheimer Gemarkung. Den Namen bekam das Depot aufgrund der von Köppern herführenden Zufahrt.
Das nachfolgende Dossier ist eine Zusammenstellung der Chronologie mit den vorhandenen militärischen Altlasten und den aktuellen Ausbauplänen.
Hiergegen formiert sich Widerstand unter Federführung der Wetterauer Aktion Frieden (Link zu Homepage). Ein regionales Aktionsbündnis gegen das Munitionsdepot im Köppener Wald ist in Gründung. Der geplante Ausbau steht offenbar im engen Zusammenhang mit der aktuell geplanten Reaktivierung der früheren Ray-Barracks in Friedberg-(Süd) für die Bundeswehr. Damit zusammen hängend könnte auch eine Reaktivierung des früheren Standortübungsplatzes bei Ockstadt wieder ins Spiel gebracht werden. (KP – Stand 9.8.2025)
Geografische Lage und Darstellungen
OpenStreetMap: https://www.openstreetbrowser.org/#map=13/50.3023/8.6292&categories=military
siehe auch: Landkreisgrenzen im OpenStreetBrowser
(Nachfolgende Kartenauszüge anklicken für Volldarstellung)
Friedberg-Süd (aktuell noch als Konversionsfläche ausgewiesen) – Ockstadt (FFH-Gebiet und früherer Übungsplatz) und Munitionsdepot Köppener Wald
Aus regionalen Flächennutzungsplan mit Wasserschutzzone III
Oberflächengewässer (evtl. PFAS-belastet) als Abflüsse von Munitionsdepot
Chronologie zu Altlasten
Detailliertere Infos zur Geschichte des Munitionsdepots siehe Wikipedia).
ab 1951: Nutzung als Munitionsdepot durch US-Streitkräfte
1997: Übergabe an die Bundeswehr
1998: Erfassung und Erstbewertung von kontaminationsverdächtigen Flächen, sowie weitergehend orientierende und detaillierte Untersuchungen
nach 1998: Ausweisung von Regenrückhaltebecken als PFAS-Verdachtsflächen mit Untersuchung von Wasser- und Sedimentproben
2017: Detailuntersuchung der Fa. Hydrodata im Auftrag der Bau und Immobilien Hessen (LBIH) mit Empfehlungen zur weiteren Vorgehensweise mit den vorhandenen Altlasten
Bericht in der Frankfurter Rundschau (Printausgabe Regionalteil) vom 12.1.2022:
Sprengstoff tritt aus Raketen aus
Hochtaunus – Bundeswehr überprüft Munition / „Selbstentzündung ausgeschlossen“
2026: Aktuelle Ausbaupläne
In einem Bericht der Wetterauer Zeitung vom 25.2.26 ist von erheblichen Ausbauplänen die Rede. In dem Beitrag heißt es:
Der Ausbau bedeutet einen größeren Eingriff in den umgebenden Wald. Laut Bundesforst sind u.a. Rodungen von deutlich über zehn
Hektar Forst vorgesehen, wobei Teile der Rückschnittsflächen im Anschluss wieder in Waldflächen überführt werden sollen. Wald, der dadurch dauerhaft anders genutzt und teilweise versiegelt werden wird, zusätzlich zu den geplanten Windrädern am Winterstein. Das Planungsgebiet des Landesbetriebs setzt sich aus zwei Teilflächen zusammen. Die Fläche im südlichen Teil nimmt mit 136,8 Hektar fast den gesamten Südteil des Geländes ein; hier befinden sich bereits Bunkeranlagen (der Bereich gilt als Flächendenkmal), die jedoch nur teilweise genutzt werden. Die nördliche Teilfläche jedoch bedeckt etwa 16,8 Hektar und ist mit Ausnahme einer Erschließungsstraße vollständig bewaldet. Das Munitionsdepot liegt direkt am Rand eines Trinkwasserschutzgebiets und mitten im Naturpark Hochtaunus.
In einem früheren Bericht der FNP vom 10.2.26 (Online-Fassung) ist lediglich von Modernisierungen die Rede. Dort heißt es:
Wehrheim – In der vergangenen politischen Sitzungsrunde teilte Bürgermeister Gregor Sommer (CDU) mit, dass es in der kommenden Zeit Umbauarbeiten am Munitionsdepot Köppern geben werde. Die Bundeswehr habe sich aber nicht genauer dazu geäußert, welche genauen Umbauten geplant seien und warum diese überhaupt stattfänden. Die Verwaltung habe dazu eine Information vom Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH) bekommen.[…]
Die Planungsgesellschaft Natur und Umwelt mbH in Frankfurt sei im Mai 2025 mit der Erstellung der naturschutzfachlichen Genehmigungsunterlagen und mit den dafür erforderlichen Kartierungen sowie mit der Erstellung der vorliegenden Unterlagen zum Zweck der Festlegung des Untersuchungsrahmens (Scoping) für den zu erstellenden Bericht zur Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP-Bericht) beauftragt worden, schreibt der Landesbetrieb Bau an die Verwaltung. Die Kommune habe dazu in Abstimmung mit dem Bauamt sowie Umweltamt eine Stellungnahme zu den bestehenden Starkregenereignissen, Hochwasserschutz sowie bestehenden Schutzgebiete abgegeben, erklärt Sommer gegenüber der Presse. […]
Aus der Stellungnahme des BUND Ortsverbandes Wehrheim zum Scoping-Verfahren:
Wie aus den Scoping-Unterlagen zu entnehmen, handelt es sich um naturschutzfachlich äußerst wertvollen Wald, der erstens grundsätzlich als Lebensraumtyp nach FFH-Richtlinie europaweit geschützt ist, und zweitens aufgrund des hohen Anteils an alten Bäumen und Totholz auch im Vergleich zu den das Munitionsdepot umgebenden, intensiv genutzten Forsten in seiner Bedeutung für den Naturschutz heraussticht. Alter Wald ist grundsätzlich in seiner ökologischen Funktion durch Ausgleichsmaßnahmen nicht ersetzbar, denn junge Aufforstungen bieten anderen Lebewesen nicht die Habitate, die alte Bestände mit hohem Totholzanteil aufweisen. Solche Altbestände sind in der heutigen intensiv genutzten Forstlandschaft sehr selten und stehen i.a. seit langem unter Naturschutz. Der Verlust dieses alten Waldes bedeutet also den Verlust von Habitaten für eine Vielzahl von auf Altbestände angewiesenen Organismen wie Fledermäusen, Vögeln, Käfern, Moosen und Farnen, die teilweise höchst gefährdet sind.
Während auf dem Gelände vorhandene Kleinbiotope wie Kleingewässer und magere Wegsäume relativ leicht an anderer Stelle neu angelegt werden können, würde es 120 bis 200 Jahre dauern, bis ein alter Wald von der ökologischen Qualität des heutigen Bestands gewachsen ist.





